Eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte konnte allerdings Mikal Rohde, Vizepräsident der norwegischen Schibsted-Gruppe, vorweisen. Das Online-Geschäft steuert inzwischen 23 Prozent zum Gruppenumsatz bei, beim Gewinn sind es stolze 66 Prozent.
Dagegen meinte der Geschäftsführer der Wochenzeitung "Die Zeit", Rainer Esser: "Die Onliner erzählen uns immer wieder, dass wir so gut wie tot sind. Tatsächlich sind wir quicklebendig und schaffen es recht gut, unsere Printprodukte mit unerwartetem Gewinn zu verkaufen, um unsere Online-Investitionen zu unterstützen".
Außerordentlich erfolgreich im Online-Geschäft ist auch das britische Verlagshaus Guardian. Der in Großbritannien führende Online-Anbieter profitiert nach den Worten seines Geschäftsführers Simon Waldman (London) neben exzellenten Journalisten und guten Videos auch von der englischen Weltsprache, der eine Klick-Rate von 50 Prozent aus dem Ausland zuzuschreiben ist.
Die "Bild"-Gruppe wird sich dagegen ganz bewußt auf den deutschen Sprachraum beschränken. Kai Diekmann, "Bild"-Chefredakteur und Gesamtherausgeber der Bild-Gruppe will die Erfolge im Printbereich auf Online ausweiten und so den Marktführer "Spiegel"-Online überflügeln. Dazu arbeitet Diekmann vor allem an der Reichweite bei Online, wie dies bereits im Printbereich gelungen ist: Zwar sank die Auflage der "Bild"-Zeitung von fünf Millionen Anfang der 80er Jahre auf jetzt 3,5 Millionen Exemplare. Die Reichweite der Leserschaft blieb jedoch mit zwölf Millionen unverändert. Zählt man die Leserschaft aller "Bild"-Titel zusammen, so kommt die "Bild-Familie" sogar auf 28 Millionen.
Spiegel: "Online-Video ist eine Überlebensfrage"
Auf einer Podiumsdiskussion über digitale Videoinhalte nannte "Spiegel"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, Online Videos "eine Frage des Überlebens". Der frühere Chefredakteur von Spiegel Online vertrat die Ansicht, dass Text und Bild allein für die Fortentwicklung nicht ausreichten. Ganz so weit wollte der Direktor der National Geographic Rob Covey (Washington) nicht gehen. Webvideos seien eine wichtige Ergänzung, aber kein Ersatz für Text und Bild.
Ein Problem, vor allem in Deutschland, sind die unzureichenden Werbeeinnahmen bei Online-Videos. Videos, mit hoher journalistischer Qualität produziert, seien teuer. Die Werbewirtschaft nehme hier aber eine abwartende Haltung ein, sagte der "Spiegel"-Chef.
Die Verquickung von Werbung und journalistischen Produkten ist in Deutschland ein Tabu und nicht gestattet. Vertreter amerikanischer Firmen machten aber in der Diskussionsrunde deutlich, dass diese "Produkt-Integration" in den USA durchaus akzeptiert ist, vor allem bei jüngeren Verbrauchern.
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